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Postkarte von Nidfurn 1910 (Photo Schönwetter). Rechts oben ist das vom Dorf etwas abgesetzte Alprufi zu sehen. Rechts in der Mitte das Landvogthaus, das alle andern Bauten überragt. Das Trafohäuschen hinter dem Guflenhaus (siehe Text unten) hat noch eine skurrile Pagodenform. 

Das dritte Blumerhaus. Johann Jakob Blumer errichtet es um 1687 herum als reines Holzhaus. Im 19. Jahrhundert werden die repräsentativen Seiten verputzt. Bei der aufwändigen Renovation 2009 werden die Frontfassade und die Südseite freigelegt, nachdem die Südseite schon in den siebziger Jahren saniert wurde.  Pro Nidfurn unterstützte die Renovation zusätzlich zu Denkmalpflege und Heimatschutz.

Das Guflenhaus im untern Dorteil, hier von hinten mit dem alten Trafohäuschen, wurde um 1750 erbaut. Einer der frühesten Bewohner war Dorfvogt Niklaus Luchsinger. 1814 wurde das Guflenhaus aufgeteilt und gehört heute vier Parteien im Stockwerkeigentum. 

Das Hoschethaus, das älteste der Blumer-Häuser, stammt wohl von etwa 1450 und ist damit auch eines der ältesten Glarner Häuser.  Der erste bekannte Besitzer war Mathys I Blumer, der um 1520 herum starb. Es präsentierte sich beim Bau untypischerweise als (teures) Steinhaus, das dann im 16. Jahrhundert  ein zweites Stockwerk aus Holz bekam. 

Das stattliche Haus Eigenmann-Paravicini grad neben dem Dorfkern hat noch mehrere Namen. Ab etwa 1880 betrieb darin (unten in der sichtbaren Ecke) Schuhmacher Albin Eigenmann seine Werkstatt.  Der gebürtige Thurgauer und als Katholik ein Exot im Dorf zog zehn Kinder auf und verfasste ein eindrückliches Tagebuch der Zeit von etwa 1880 bis knapp nach 1930, welches das Dorfleben Nidfurns in der Phase seines demographischen Höhepunktes lebendig beschreibt. 


Das Ensemble der drei Aecherli-Holzhäuser entstand um 1700 und kurz nachher. Mindestens zwei der Häuser verfügten über Webkeller. Die Häuser rechts und in der Mitte sind im Eigentum geteilt, das Haus rechts quer und das Haus in der Mitte längs.  Das Ensemble zeigt drei klassische Glarner "Tätschhäuser", die aus dem alemannischen Blockhaus-Typ hervorgegangen sind. 

Die kleine Personen- und Heuseilbahn mit zwei Transportkisten, das "Leuggelenbähnli" 1974 über Nidfurn.  Die Bahn wurde 1944 vor allem für den Materialtransport der Leuggelen-Bauern privat errichtet und 2010 demontiert. In den frühen 70er-Jahren fuhr damit auch einmal eine bernische Schulklasse für ihre Wanderung über Oberblegi nach Braunwald mit den luftigen Kisten hoch.

Das Trafohäuschen im "Guflen" (rechts im Hintergrund die "Maschine", also die Weberei im "Sand" in Haslen). Nachdem fast alle dieser Häuschen im Kanton abgerissen wurden, ist es zusammen mit dem von Haslen eines der letzten dieser Art.

Zwischen 1830 und 1860 entstanden an zahlreichen Orten im Glarnerland, etwa in Ennenda besonders gediegen, in Glarus, Schwanden, Mitlödi oder sogar Sool zweiraumtiefe Häuserzeilen. Die Rückseiten weisen oder wiesen oft Geissenställe, Holzschöpfe oder Aborte auf. In Nidfurn entstand so die "Hirschenreihe" mit dem Abschluss links mit früherer Metzgerei und Gasthof "Hirschen" (heute reines Wohnhaus).

Das Nidfurner Schulhaus 1974. Es wurde 1835 weitgehend im Frondienst erbaut, 55 Jahre nach der ersten Schule im Dorf. 2003 kam links der heutige Anbau dazu. Seit 2010 wird nicht mehr unterrichtet. Das Gebäude dient heute der Schulleitung von Glarus Süd als kleines Verwaltungszentrum und beinhaltet im Anbau einen grösseren und öffentlichen Saal.

Das Landvogthaus im Vordergut, auch Bleiche oder Beggähuus genannt, wurde um 1640 von Peter Blumer (1587 bis 1669) erbaut. Blumer war 1645 bis 1647 glarnerischer Landvogt im aargauischen Freiamt, einer gemeinsamen Herrschaft der damaligen Eidgenossenschaft. Es soll nach der Aufstockung im 18. Jahrhundert das höchste Haus des Kantons Glarus gewesen sein. Heute kann man im "Swiss historic Hotel" auch übernachten.  Foto von 1974. Es kann im Rahmen der "Industriespionage"-Veranstaltungen 2020 besichtigt werden (siehe mehr unter "News").

Die hintere Fassade des Doppelhauses Aecherli 7/9 wurde 2018 und 2019 vom Eternit befreit. Eine traditionelle Gaden-Schalung  bildet neu die Rückfassade, und die Fenster wurden vereinheitlicht sowie teilweise verkleinert. Pro Nidfurn unterstützte den Umbau, der auch eine wärmetechnische Isolation beinhaltete.

Lehrer Kaspar Hauser (1894 bis 1992) war in Nidfurn eine Institution. Er unterrichtete im Dorf 36 Jahre lang, beginnend mit 1920, regelmässig 35 bis 55 Kinder, hier im Jahre 1926 sogar 56. Offensichtlich war das für das Multitalent Hauser nicht einmal übermässig stressig, wurde er doch 98 Jahre alt und leitete neben der Schule noch bis zu fünf Chöre. 

Nidfurn liegt gegenüber der Linth um etwa zwanzig bis vierzig Meter erhöht (ohne Alprufi). Das Gebiet auf dem Bild oberhalb der Linth gehört samt dem Kanal zu Haslen. Der Weg auf Nidfurner Seite dient im Winter ("Töditritt") als Langlaufloipe. Rechts und links unten ist je ein ganz kleiner Ausschnitt der SBB-Geleise zu sehen.

1340 kommt im Raum Nidfurn der Begriff "zur obern Fuure" vor, um 1350 "Obfurt", abgeleitet vom Wort Furche, hier im Sinne eines steilen Abhanges. "Obfurn" als Pendant zu "Nidfurn" als Name ist heute verschwunden. Ob das Alprufi  - hier im Bild von 1974 - dem früheren Obfurn entspricht, ist nicht geklärt. 

Sportlich kommen in Nidfurn (Dorf im Hintergrund rechts) Langläufer, Schwimmerinnen, Golfer (links der Bahnlinie mit neuem Abschlagsplatz), Bogenschiessende, Mountain-Biker, Läuferinnen und natürlich Wanderer auf ihre Kosten. Acht Mal hat Nidfurn mit Kaspar "Chäpp" Schiesser (3) und Richard Umberg (5) nationale Marathonmeister und gleichzeitig Olympiateilnehmer gestellt. Das Schwimmbad im Vordergrund scheint zu Nidfurn zu gehören, lag aber seinerzeit noch auf Schwander Boden. 

Pfändlergut und Addacher sind die Neubaugebiete von Nidfurn. Die Südlage des Hangs zur Matt (Hintergrund) ist  besonders attraktiv. Die neuen Bauten haben dafür gesorgt, dass Nidfurn seit den neunziger Jahren wieder ein, wenn auch schwaches, Bevölkerungswachstum verzeichnet.  Bild von 2016. 

Zu Nidfurn haben nie eigene Alpen gehört. Leuggelen ist "nur" ein Meiensäss. Aber mit dem jährlichen Alpabzug kommt im Dorf dennoch etwas Heidi-Feeling auf. Bild von 2009. 

Seit 1879 hat Nidfurn Bahnanschluss. Bis dahin verbanden Glarus und Linthal drei tägliche Postkutschenkurse. Der Bahnhof war in seiner Anfangszeit vor allem für die Anlieferung der Baumwollballen für die "Maschinä" wichtig. Dabei wurden bis zu 3'000 Tonnen Rohbaumwolle jährlich geliefert. Der Schnee lag auch schon so tief, dass die Bahn zwischen Nidfurn und Leuggelbach steckenblieb. Bild von 2012.

Zwanzig Jahre nachdem Bartlome Jenny 1847 im "Sand" in Haslen eine Spinnerei-Weberei eröffnet hatte, war die Weberei im Kanton die grösste, die Spinnerei die drittgrösste mit 24'500 Spindeln. Hunderte von NidfurnerInnen arbeiteten über die rund 170 Jahre in der "Maschinä". Heute besteht noch eine Weberei und eine Konfektionsabteilung mit circa 70 Mitarbeitenden. Auch die "Maschinä" kann im Rahmen von "Industriespionage" 2020 besichtigt werden.